Ode an die Wüste
von Rainer Losert
Wüste,
du Ewige, Weite - schmelze mich,
verbrenne das, was nicht ist.
Pur und gnadenlos.
Sanft und fordernd.
Öffne die Tür zu meinen tiefsten Missverständnissen.
Die Sterne weisen lasergleich -
Jeder auch noch so kleine Missklang wird gesehen.
Wüste, Mutter oder Vater -
ich weiß es nicht mehr.
Feuer, brennend, verbrannt.
Vergangenheit und Zukunft - nicht existent.
Es bleibt der Moment -
deine Sprache, oh Wüste, ist Jetzt.
Zwischen Leben und Tod - Nichts!
Kaum zu ertragen,
und der einzige Weg.
Wüste, führe mich.
ICH berühre ICH - der Wahnsinn gebiert das Paradox.
Wüste, die Welt zerbricht.
Kompromisslos in die Leere.
Ein Aufschrei, Angst, NEIN!
Immer weiter und weiter mit der Karawane.
Ausgedörrt, schreiend in Kraft.
Wüste, erinnere an die Liebe.
Der Weg des Morgensterns durch das Labyrinth des Wahnsinns.
Schritt für Schritt, immer weiter.
Verbrannt und NICHTS.
Das Tor ist nur Jetzt. Weiter im Jetzt.
Nichtwissen. Stehenbleiben.
Weiter existiert nicht mehr.
Alleine.
Fata Morgana von ICH und ES.
Austrocknung, Nüchternheit. Liebe.
Die Suche stirbt.
Zu erreichen - Nichts!
Im Aufgeben der Same der Gnade.
Der Krieger legt die Waffen nieder.
Wüste, trockne das letzte Aufbäumen aus.
Die leere Tasse ist bereit.
